Leonhardiritt

Zum Namenstag des Heiligen Leonhard, der als Schutzpatron große bäuerlicher Verehrung genießt, werden im bayerischen Oberland etliche Umzüge abgehalten. Diese sind nicht nur mehr als sehenswert, sie sind vielmehr als öffentliche Kundgebung der Heimattreue und des Glaubens des bayerischen Volkes hier im Pfaffenwinkel und im Bayerischen Oberland zu werten.
Es mag sein, dass im 19 Jahrhundert die Heimatliebe sogar so weit gegangen ist, dass sie zu so zügellosen Ausschweifungen führte, dass man den Leonhardiritt vielerorts gar verbieten wollte.

"Gott wird Euch geben Glück und Segen in Haus und Stall und überall. Bei Pferd und Rind, bei Schaf und Schwein da soll Euer heiliger Leonhard sein!" Wer die Gelegenheit nutzt, die Wallfahrt zu bestaunen, wird Eindrücke in Bezug auf tiefe Religiosität und Bodenstämmigkeit der Bayern gewinnen.

In Peißenberg nehmen am Umzug jedesmal 150 bis 200 Pferde teil. Ferner Kutschen und Motivwagen. Die Trachten vereine und Blaskapellen der umliegenden Orte sind ebenso vertreten wie die Peißenberger Bergknappen.


Die Geschichte von Leonhard

Die Lebensgeschichte von Leonhard ist in vielem legendär. Demnach ließ die am Merowingerhof lebende fränkische Adelsfamilie ihren Sohn durch Erzbischof Remigius von Reims taufen und unterrichten. Als Erwachsener verweigerte er demnach die ihm angebotene Übernahme eines Bistums, zog sich in die Einsamkeit des Waldes bei Limoges zurück, predigte von seiner Zelle aus und heilte die zu ihm kommenden Krüppel und Hilfsbedürftigen.
Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele bei König Chlodwig (oder Chlotar I. ?) ihre Freilassung. Viele Gefangene riefen auch den Namen Leonhards, worauf sofort ihre Fesseln abfielen, die sie dann als Freie dem Einsiedler brachten.
König und Königin zogen eines Tages zur Jagd in diesen Wald; Leonhard hörte die Königin klagend rufen, da sie in Wehen lag. Auf Bitten des Königs betete Leonhard am Lager der Königin, und sie schenkte einem ersehnten Knaben das Leben. Der König wollte Leonhard mit Gold und Silber beschenken; dieser bat aber nur um so viel Waldgelände, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Leonhard gründete das Kloster Noblat bei Limoges in seinem Waldstück, wo er starb und auch weiterhin verehrt wurde.
Leonhard wurde seit dem 11. Jahrhundert besonders in Bayern verehrt, über 150 Wallfahrten fanden unter seinem Namen statt, auch heute gibt es noch über 50 Leonhardi-Wallfahrten, meist mit Pferde-Ritten. Er galt ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.
Die Leonhard geweihten Kirchen sind mit Ketten umspannt, so z.B. in Bad Tölz.

Am Leonhardstag werden Tiersegnungen vorgenommen. In Inchenhofen befindet sich der 125 kg schwere Leonhards-Nagel, den man ab dem 15. Jahrhundert zum Zeichen der Buße rund um die Kirche trug. Seit 1718 wird im bayerischen Tölz der "Leonhardsritt" begangen, seit 1994 auch wieder der traditionelle, grenzüberschreitende Leonhardi-Ritt von Neukirchen im Oberpfälzer Wald nach Uhliste in der Tschechei. Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt; man nannte ihn den "bayerischen Herrgott" oder den "Bauernherrgott"; in Bayern gehört Leonhard auch zu den 14 Nothelfern.

Attribute: als Mönch oder Abt mit Kette, Pferde und Ochsen, Gefangene befreiend
Patron der Bauern und des Viehs, vor allem der Pferde, der Ställe, Stallknechte, Fuhrleute, Schmiede, Schlosser, Lastenträger und Böttcher, Obsthändler, Bergleute; der Wöchnerinnen, Gefangenen; für alle Anliegen der Bauern, gute Geburt; gegen Kopfschmerzen, Geistes- und Geschlechtskrankheiten